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Kapitel 19 -Competenza all’italiana

Bella hatte sich inzwischen wieder einigermaßen beruhigt und schaute der Zukunft optimistisch entgegen. Lem war zwar abgetaucht, aber auch wieder aufgetaucht, um dann wieder abzutauchen. In eine Vollzeitstelle. Du meine Güte! Zusätzlich war ein LEM aufgetaucht, das Bella die lästige Hausarbeit abnahm und so hatte sie endlich mehr Zeit sich „dem Fall“ zu widmen. Antje und Piet waren von Tatverdächtigen zu lieben Bekannten mutiert. Und was das Beste war: Bella hatte endlich Urlaub. Wie immer fuhr sie mit ihrer Familie nach Italien, diesmal ins weit entfernte Sizilien. LEM blieb Zuhause und passte auf das Haus und den Hund auf.

Italien war etwas Besonderes. Hier war kein Lippenstift zu rot, kein Schuh zu hoch und kein Dekolleté zu tief ausgeschnitten. Italienerinnen haben keine Cellulite, einen gesunden Appetit und eine Menge schöner Handtaschen. Aber jetzt schweife ich ab.

Das Allerwichtigste an diesem Urlaub war, dass Bella in der Nähe der Stadt Vigàta in der Provinz Montelusa wohnte und wessen Wirkungskreis war das wohl? Der von Commissario Montalbano natürlich. Bella war sich jetzt nicht sicher, ob auch die deutschen FernsehzuschauerInnen diesen famosen und gut aussehenden Kommissar kannten.

Deshalb hier das Intro:

IL COMMISSARIO MONTALBANO

Bisher war es Bella und Lem ja nicht möglich gewesen ihren „Fall“ mit einem deutschen oder niederländischen Hauptkommissar oder einer Hauptkommissarin zu besprechen. „Der Picasso“ auf dem Dachboden hatte leider dazu geführt, dass sie keine Hilfe annehmen konnten.

Aber nachdem nun die beiden Hauptverdächtigen aus dem Schneider waren und möglicherweise nur die großen Konzerne übrig blieben, benötigte Bella Rückenverstärkung durch einen Profi, zumal, wie ja schon erwähnt, Lem die Vollzeitstelle angenommen hatte. Große Konzerne sind wie die Mafia, dachte Bella und Commissario Montalbano kam so simpatico rüber, dass es Bella auf jeden Fall versuchen wollte. Mit klopfendem Herzen betrat sie das commissariato di polizia. 

„Buongiorno signora Bella, si sieda prego“, Commissario Montalbano deutete höflich auf den Besucherstuhl.

„Come posso aiutarla?“, erkundigte er sich freundlich.

„Ich benötige ihre Hilfe bei einer Ermittlung, die ich ganz privat führe“, erklärte Bella.

Der Commissario runzelte fragend die Stirn.

Bella erläuterte in groben Zügen den Mord an Willem-Jan van de Nelle in der ArtEZ in Arnheim. Dabei unterstrich sie ihren Verdacht, dass die Plastikmüllentsorgung ein entscheidendes Motiv für die Tat gewesen sein könnte. Den „Picasso“ verschwieg sie natürlich, ebenso wie Lem Verfolgungswahn.

„Sie schließen einen spontanen Mord also aus, Signora. Wir hier in Italien haben ebenfalls große Probleme mit der Müllbeseitigung. Wie sie sicher an unseren Straßenrändern gesehen haben, ist das ein Dauerthema bei uns. Aber wieso sehen sie in ihrem „Fall“ einen Zusammenhang mit einer Organisation?“, chiede il commissario.

„Ich vermute, dass die Firmen, die die Verpackungsmaterialien herstellen oder die Konzerne, die mit der Müllbeseitigung reich werden, wahrscheinlich nicht wollten, dass Willem-Jan van de Nelles Konzepte publik gemacht werden“, spiegava.

„Welche Konzepte?“, fragte der Commissario.

„Nun, seine Entwürfe bewegen sich sozusagen auf einer Metaebene, die anklagend und zugleich sinnstiftend ist!“, Bella bemühte sich ihre Gedanken in ordentliches Italienisch zu übersetzen.

„Da kann ich ihnen jetzt nicht ganz folgen“, seufzte Salvo.

„Der Müll, der aus Unachtsamkeit weggeworfen wird und unser Leben im Überfluss zeigt, verwandelt sich in Nützliches und sogar Schönes. Der Konsum ist ein Grundnahrungsmittel geworden. Die negativen Folgen unseres Kaufverhaltens könnten korrigiert werden. Niemand will wirklich auf etwas verzichten. Es wäre eine große Erleichterung veredeltes Plastik zu tragen. Wer würde dem widerstehen können. Ökologisch zu handeln macht ein gutes Gewissen. Zumindest in Deutschland!“

„Questo è vero Signora. Sie meinen also eventuelle Milliardenverluste in der Abfallindustrie durch Recycling hätten einen Auftragsmord ausgelöst? Und diese Entwürfe sind verschwunden?“

Bella nickte kurz.

„Man kann sicher davon ausgehen, dass große Veränderungen, wie sinnvoll sie auch erscheinen mögen, große Widerstände sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft hervorrufen können. Ein Modedesigner kann sicher sehr viel Einfluss nehmen. Durch die Social Media kann er die gesamte Modebranche erreichen und die Märkte stimulieren. Millionen von Followers könnten ihr Kaufverhalten verändern. Wie sie schon andeuteten, Mode kann durchaus singstiftend sein. Aber letztendlich geht es doch immer um Gewinnmaximierung. Sie werden auch in der Modeindustrie niemanden finden, der nicht expandieren will. Wer immer seine Entwürfe jetzt unter Verschluss hält, ist entweder der Täter oder ein Mitverschworener. Willem-Jan van de Nelle muss nicht alleine gehandelt haben. Diese Angelegenheit ist wahrscheinlich eine Nummer zu groß für sie. Signora, so etwas ist sehr gefährlich. Sie wissen, dass eine Organisation wie die Cosa Nostra in vielen Fällen mit ihren Opfern nicht gerade zimperlich umgeht und falls es wirklich um sehr große Geldsummen geht, würde ich ihnen auf jeden Fall dringend davon abraten weiter privat zu ermitteln!“

Dann musste Salvo sich leider um seinen nächsten Fall kümmern und Bella versprach brav zu sein.

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