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Kapitel 1- Es wird Frühling-

Es quietscht. Es seufzt. Es duftet. Bella dreht sich auf ihrer Sonnenliege von links nach rechts und genießt. Diese Aussicht, dieser Duft, der ewig blaue Himmel. Über ihr der Kirschbaum mit den Blüten. Wie hieß das denn nochmal in Japan? Hanami. Blüten betrachten. Ja, Bella kann ohne Probleme stundenlang im Garten sitzen und Blumen beim Wachstum zusehen. Diese Ruhe muss man erst einmal haben. Sie schliesst die Augen und dann überkommt sie doch ein bisschen die Langeweile und sie schaut auf ihr Handy. Mist, Lem hat sich immer noch nicht gemeldet. Jetzt wird es aber langsam Zeit. Zumindest wäre jetzt Zeit das Essen vorzubereiten. Gequält erhebt sie sich und geht zum Haus. Spargel mit Erdbeeren. Die Saison hat gerade wieder begonnen. man gönnt sich ja sonst nichts. Zwischendrin in Blick in den Spiegel. Die Frisur ist zerzaust, aber Spuren des Lippenstiftes sind noch sichtbar. 

Sie schimpft leise vor sich hin. Lem war manchmal so unzuverlässig. Die letzte Mail klang so spannend. Bella war neugierig und wollte nicht mehr warten. Aber wohl doch erst in die Küche und das Wasser aufsetzen und los geht es mit dem Schälen. Im Radio läuft:

Vergnügt schwenkt Bella ihre Hüften. Etwas Salz und Zucker und Butter und Essig und das Handy klingelt. Na endlich! Rotterdam meldet sich. Wie immer am Anfang eines Gesprächs müssen beide lachen. Wie ist es? Ach, alles gut. Und bei dir? Plauder, plauder, plauder. Die Arbeit, die Kinder, die Hunde, die neusten Farben, Schuhe, Muster, Tapeten und die Ehemänner. Ein wenig lästern über die anderen Frauen und jammern über das Alter. Wie immer versprüht Lem eine unglaublich gute Laune und Bella überschlägt sich mit neusten Erkenntnissen zu der Fragestellung: Warum interessieren sich Frauen in unserem Alter überhaupt nicht für Mode? Es plätschert so nett dahin, dann erinnert Bella sich an Lem Mail. Mord in der ArtEZ in Arnheim. Das war doch mal was. Berühmte Absolventen dieser Kunsthochschule waren zum Beispiel: 

Aber das nur so nebenbei. Was war passiert? Seit Gianni Versace damals in Miami vor seinem Haus erschossen worden war, gab es keine spektakulären Mordfälle in der Mode mehr…Miami Beach, Sehnsuchtsort der Künste, des Designs, Miami Vice… Lem unterbricht Bella und berichtet von den interessanten Ereignissen. Ja, ein unglaublich talentierter Nachwuchsdesigner wurde unter mysteriösen Umständen ermordet. Aufgefunden wurde er eingewickelt in einem Stoff aus recyceltem Plastikmüll, so wie ihn H&M mit der neuen „Concious Exclusive“ Linie jetzt des Öfteren einsetzte. Er war erstickt worden. Selbstmord wurde ausgeschlossen. Er stand kurz vor einer fabelhaften Traumkarriere . Anruf von Dolce & Gabbana, so wurde gemunkelt. Ein Kapitalverbrechen. Bella spult sofort alles ab: Mord aus Leidenschaft, Eifersucht oder andere niedrige Beweggründe. Vielleicht doch nur Totschlag? Bellas Sohn ist gerade im dritten Semester Jura. da wird man natürlich zur Fachfrau. Lem verneinte. Im De Telegraaf, dem niederländischen Bildpendant, gibt es zwar Vermutungen in jede Richtung, aber zur Zeit hat die Polizei keinen wirklichen Anhaltspunkt. 

Vielleicht hatte Lem Recht. Gedankenversunken schüttet Bella das Salz in das Spaghettiwasser. Vielleicht war doch das Material ein Hinweis auf das Motiv. Möglicherweise ein Umweltskandal. Die Modeindustrie galt als zweitgrößter Umweltverschmutzer weltweit, nur getoppt von der Erdölindustrie, hatte Bella unlängst in der Vogue gelesen. Ob Lem nicht mal nach Arnheim fahren, sich ein bisschen in der Designerschule umsehen könnte? 

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